Projekte

Das QUEST Center plant und setzt verschiedene Projekte und Maßnahmen um, unter anderem auch in Zusammenarbeit mit der Abteilung für Experimentelle Neurologie Charité – Universitätsmedizin Berlin. Das Besondere: Die Aktivitäten des QUEST Centers haben einen sehr praktischen Bezug – einen translationalen Ansatz, da wir die Erprobung neuer Ansätze im Design, der Analyse und des Reportings am Berliner Institut für Gesundheitsforschung anstreben und so einen Bogen spannen möchten von der Grundlagenforschung bis hin zur klinischen Versorgung. Die zu implementierenden Maßnahmen und Projekte werden unter anderem durch sogenannte „Meta-Research“, also durch Forschung über die Forschung, identifiziert. Während und nach deren Implementierung möchten wir auch deren Effektivität untersuchen. Schwerpunkte der QUEST-Projekte sind u.a. systematische Reviews, Open Science (Open Data, Metadata, Ontologien), Citizen Science, Science Policy (Inzentivierung und Belohnungen in Akademia, neue Metriken und Indikatoren), Replikation und Reproduzierbarkeit, elektronisches Laborbuch, Registrierung und Publikation klinischer Studien, Lehre sowie Qualitätsmanagement in der präklinischen Forschung.

Weiterhin führt das QUEST Center in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW) Projekte zur Translationsforschung durch. Die entsprechenden Publikationen sind weiter unten zu finden.

Publikation klinischer Studien (In4Value)

Eines unserer ersten Projekte, In4Value, befasst sich mit der Publikation klinischer Studien. Die Publikation aller Ergebnisse aus klinischen Studien ist ein wichtiger Baustein um den Nutzen biomedizinischer Forschung zu steigern und das Ausmaß ungenutzter Forschungsergebnisse zu verringern. Auch den Studienteilnehmern gegenüber ergibt sich eine Verpflichtung, ihrem Beitrag an der Forschung angemessen Rechnung zu tragen.

Viele Studienergebnisse werden jedoch gar nicht oder nur mit großer Verzögerung publiziert. Unter der Federführung der Medizinischen Hochschule Hannover und in Kooperation mit dem Universitätsklinikum Freiburg (Cochrane Deutschland) möchten wir herausfinden, wie hoch der genaue Anteil der an allen 36 deutschen Universitätskliniken durchgeführten Studien ist, zu denen keine Ergebnisse publiziert wurden. Hierbei konzentrieren wir uns auf alle Studien, die in den Jahren 2009 - 2013 abgeschlossen wurden.

Dieses Projekt findet im Kontext der AllTrials Petition statt, an der sich das BIH beteiligt.

PREMIER

Es besteht weitgehender Konsens darüber, dass die biomedizinischen Wissenschaften, insbesondere deren präklinische Domäne, von einem systemischen Qualitätsproblem betroffen sind. In diesem Zusammenhang fällt das praktisch völlige Fehlen von strukturierten Maßnahmen zur Qualitätskontrolle auf, wie sie beispielsweise in der Forschung der pharmazeutischen Industrie oder der klinischen Forschung Standard sind. Wir wollen mit diesem Projekt, das eine Zusammenarbeit des QUEST Centers mit der Abteilung für Experimentelle Neurologie Charité ist, die Qualität der akademischen präklinischen Biomedizin mit strukturierten Qualitätssicherungsmaßnahmen verbessern. Leider sind bestehende Ansätze, Normen und Systeme nur bedingt für die präklinische biomedizinische Forschung geeignet.

Ziel von PREMIER ist die Entwicklung einer strukturierten Qualitätssicherung, bestehend aus modularen Elementen, in denen qualitativ hochwertige präklinischen Forschung durchführbar und praktikabel ist, und gleichzeitig frei von einer kreativitätshinderlichen Überwachungskultur ist. Langfristig soll PREMIER die Robustheit und den Wert der Forschung verbessern. Wir streben an, ein skalierbares "System" zu entwickeln, das in anderen Arbeitsgruppen, Abteilungen oder Institutionen eingesetzt werden kann.

Wir nennen dieses modulare „System“ ‘PREMIER’: Predictiveness and Robustness through Modular Improvement of Experimental Research. Die übergeordneten Ziele dieses Projekts sind, die prinzipielle Durchführbarkeit einer strukturierten Qualitätssicherung (proof of concept) im Bereich der präklinischen akademischen Biomedizin zu zeigen, einen indirekten Beweis für die Wirksamkeit der Maßnahmen bereitzustellen und für die wissenschaftliche Community eine Grundlage zu legen, solch ein offenes System weiter zu entwickeln und zu verbessern.


EQIPD

Auch EQIPD ist ein Projekt in Zusammenarbeit des QUEST Centers mit der Abteilung für Experimentellen Neurologie.

EQIPD (European Quality In Preclinical Data) ist ein europäisches Partnerschaftsprojekt, bestehend aus Europäische Vereinigung von pharmazeutischen Industrien und Verbänden (EPFIA) und europäischen akademischen Einrichtungen, das für drei Jahre durch IMI (Innovative Medicines Initiative), welches zum EU-Programm Horizont 2020 gehört, finanziell gefördert wird. Die Experimentelle Neurologie der Charité ist eine der führenden akademischen Partner in EQIPD. Ziel dieses Projektes ist es, die Qualität und Effizienz von nicht regulierten Forschungs- und Entwicklungsdaten (F&E) zu verbessern, indem Nachweise für die Entwicklung von Qualitätskriterien für neue und verbesserte präklinische Tests geliefert werden. Es soll ein einfaches, flexibles, effizientes und Evidenz basiertes System entwickelt werden, um die Sorgfalt und Robustheit präklinischer Grundlagenforschung im akademischen und industriellen Bereich zu überprüfen.


Translationsforschung

In der Projektreihe Translationsforschung geht es darum, den Begriff der Translation näher zu definieren, translationale Strukturen in den USA zu untersuchen, sowie die Implementierung der translationalen Forschung am BIH zu analysieren.

Was ist überhaupt translationale Forschung? Welche Dimensionen gibt es in der translationalen Forschung? Diesen und anderen Fragen ging das 1. Projekt nach, aus dem der Bericht IN SEARCH OF TRANSLATIONAL RESEARCH entstand.

Das 2. Teilprojekt fokussierte sich auf die Analyse der organisatorischen Prozesse und Praktiken, mit denen translationale Forschung in Schlüsselforschungsorganisationen in den USA etabliert, organisiert und evaluiert wird. Daraus entstand der Bericht ORGANIZING TRANSLATIONAL RESEARCH.

Da es kein standardisiertes Erhebungsinstrument gibt, welches die Implementierung von translationaler Forschung evaluiert, zielte das dritte Projekt darauf ab, ein solches zu entwickeln. Den Bericht zur verwendeten Methodik finden Sie hier. Die Ergebnisse zu den geführten Interviews folgen in Kürze.


Eine qualitative Studie auf Basis von Experteninterviews

Als Reaktion auf die so genannte "Reproduzierbarkeitskrise" haben wissenschaftliche Institutionen und Drittmittelgeber damit begonnen, Veränderungen in der Belohnung und Finanzierung biomedizinischer Forschungsaktivitäten umzusetzen. Ziel des vorliegenden Projekts ist es, ein besseres Verständnis dafür zu entwickeln, wie unterschiedliche Interessengruppen diese laufenden Reformen einschätzen. Im Rahmen des Projekts soll ein Konsens darüber gefunden werden, wie robuste Forschungspraktiken effektiv unterstützt und unbeabsichtigte negative Folgen vermieden werden können. Zu diesem Zweck planen wir rund 40 semistrukturierte Einzelinterviews mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, Biostatistikerinnen und Statistikern, Promovendinnen und Promovenden, sowie mit Schlüsselfiguren aus der Forschungsverwaltung und Governance an der Charité, dem Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin und dem Berliner Institut für Gesundheitsforschung durchzuführen. Die ersten Interviews sind für März 2018 geplant.

Hintergrund: Die Reproduzierbarkeit und Robustheit der biomedizinischen Forschung wurde sowohl in der wissenschaftlichen als auch in der Laienpresse in den letzten Jahren immer wieder in Frage gestellt. Verfahren zur Sicherung der Forschungsqualität sind augenscheinlich nur begrenzt erfolgreich, wie Meta-Studien gezeigt haben. Wir glauben, dass Reformen am besten gelingen können, wenn zwischen den verschiedenen institutionellen Ebenen, biomedizinischen Forschern und Forschungsmethodikern große Übereinstimmung darüber herrscht, was reformiert werden sollte und wie Veränderungen umgesetzt werden können.

Das Projekt ist eine Kooperation zwischen Prof. Nadon (Principle Investigator), Associate Professor, der Abteilung für Humangenetik, der McGill University, Montreal, dem QUEST- Center für Transforming Biomedical Research und der Charité – Universitätsmedizin Berlin und wird von der Schering Stiftung mitfinanziert. Prof. Nadon ist Visiting Fellow des QUEST Center.